Clubchronik Teil II

Zunächst soll ein Blick auf die Mitgliederstruktur und die Präsenz geworfen werden.

1.) Vieles hat sich seit dieser Zeit verändert. Alle Gründungsmitglieder sind verstorben, Oberhausen hat in den letzten 60 Jahren eine Strukturveränderung erfahren, die ihresgleichen sucht. Die Großunternehmen, die das Stadtbild geprägt haben und in denen ein Großteil der Gründungsmitglieder tätig waren, sind nicht mehr vorhanden. Alle Bergwerke auf Oberhausener Boden sind geschlossen und ihre Anlagen beseitigt worden. Alle großen Industrieunternehmen sind ebenso wie ihre Industrieanlagen verschwunden.

2.) Aus dem Mitarbeiterkreis dieser Unternehmen kann der Club seit dieser Zeit für sich keine Mitglieder mehr werben. So veränderte sich verständlicherweise im Hinblick auf die berufliche Herkunft der Mitglieder die Mitgliederstruktur des Clubs beachtlich. 1983 – also 30 Jahre später – gehörten dem Club bereits 60 Mitglieder an. Diese Anzahl wurde zeitweise als zu hoch angesehen und eine Mitgliederzahl von 50 als optimal betrachtet. Den Protokollen aus dieser Zeit über den Inhalt der Vorträge und der Diskussionen ist zu entnehmen, dass in politischer und sozialer Hinsicht eine sehr konservative Grundeinstellung unter den Mitgliedern vorherrschte. In einem Meeting im Oktober 1956 wurde die Frage des Tragens einer Krawatte mit Rotary-Emblem diskutiert und allseits Bedenken gegen das Tragen einer solchen Krawatte erhoben. Ein solches Verhalten sei nicht „Rotary like“. Der Präsenz wurde über Jahrzehnte große Bedeutung beigemessen. Zu Beginn fast eines jeden Meetings wurde die Clubpräsenz mitgeteilt und hinsichtlich des Ergebnisses positiv oder negativ beurteilt. Sie wurde mit der Präsenz anderer Clubs im Distrikt - später besonders mit der Präsenz des RC Oberhausen Antony Hütte - und monatlich mit der Durchschnittspräsenz des Distriktes verglichen. Eine Zeit lang wurde im Distrikt eine Rangliste über die Präsenzen der Clubs geführt und ein Präsenzpokal dem Club mit der besten Präsenz verliehen. Auch der RC Oberhausen hat diesen Pokal einmal gewonnen.

Es ist eine altbekannte Tatsache, dass die Menschen immer länger leben und somit älter werden. So hatte der Club am Stichtag 30. Juni 2011 68 Mitglieder, davon allein 10 Mitglieder im Alter über 80 , 24 im Alter zwischen 60 und 80 und nur 16 im Alter zwischen 40 und 50 Jahren. So erklärt sich das Durchschnittsalter von 62,78 Jahre, was sicher nicht zufrieden stellend ist. Das Thema „Aufnahme von Frauen in Rotary‘‘ stand Jahrzehnte lang nicht zur Debatte. Erst im Jahr 1989 beschloss der Gesetzgebende Rat von RI die Zulassung der Aufnahme von Frauen in die Rotary Clubs. Danach sollten noch 20 Jahre vergehen, ehe die ersten zwei Damen in den RC Oberhausen aufgenommen wurden.

© Centro: Strukturwandel in Oberhausen, GHH Gelände früher

3.) Die Mittags-Meetings wurden zunächst über Jahre freitags abgehalten. Zum Tagungsort wurde zunächst die Gastronomie im Schloss Oberhausen bestimmt und Jahre lang beibehalten. Nach Schließung des Restaurantbetriebes wurde der Tagungsort in das Hotel Ruhrland gegenüber dem Hauptbahnhof verlegt. Auch dieses wurde eines Tages geschlossen, so dass der Club in die inzwischen errichtete Stadthalle umzog und dort über mehr als ein Jahrzehnt residierte, bis wegen grundlegender Sanierungsarbeiten auch dieser Betrieb eingestellt wurde. Seit dieser Zeit hält der Club seine Meetings und auch viele seiner Abendveranstaltungen wieder in dem Schlossrestaurant ab.

© Centro: heute

Im Mittelpunkt der Meetings standen und stehen von je her die Vorträge. In den ersten Jahren wurden leider keine Lebensberichte gehalten und wenn einmal ein Mitglied aus seinem vergangen Leben berichtete, wurde der Inhalt von dem jeweiligen Sekretär weder inhaltlich wieder gegeben noch eine Fassung des Berichtes dem Protokoll beigefügt. Daher ist über das Leben der Gründungsmitglieder und der Freunde, die dem Club nach seiner Gründung in darauffolgenden Jahren beitraten nur wenig bekannt. Die Themen der einzelnen Vorträge betrafen alle Bereiche des Lebens. Es wurden viele Berichte über Reisen in ferne Länder gehalten, was in der damaligen Zeit, als Auslandsreisen vor allem in Länder außerhalb Europas noch nicht an der Tagesordnung waren, offensichtlich besonders spannend war. Lichtbildervorträge waren die Ausnahme und die Möglichkeit, sich eines Beamers zu bedienen, gab es noch nicht. Abendveranstaltungen wurden jahrelang einmal monatlich veranstaltet. Das auch heute immer noch bestehende Problem nicht befriedigender Teilnehmerzahl an Abendveranstaltungen bestand von Anfang an und wird durchgängig in vielen Protokollen von den jeweiligen Sekretären bemängelt.

Daneben wurden in jedem Jahr viele Sonderveranstaltungen abgehalten. Es wurden Betriebe und Museen in der näheren und weiteren Umgebung Oberhausens besichtigt und manche Wanderungen und Radtouren unternommen. Ehefrauen waren immer dabei und wenn’s auch für Kinder interessant war, wurden auch diese mitgenommen. Später wurden auch die Ausflüge über mehrere Tage häufiger. Schließlich wurde es üblich, dass jeder Präsident den interessierten Clubmitgliedern seine ehemalige Heimat zeigte.Alle Tagesausflüge und Reisen hatten und haben eines gemeinsam, sie brachten und bringen die rotarischen Freunde und ihre Frauen und Kinder einander näher und trugen und tragen wesentlich zur Vertiefung der Freundschaft im Club bei.

© Centro: Neue Mitte - Stahlwerk

4.) Auch die Jugendarbeit wurde im Club nicht vergessen. Der Club hatte von Anfang an, wie von RI vorgegeben, das Amt des Jugendbeauftragten eingerichtet. Die Jugendbeauftragten organisierten den Jugendaustausch mit Rotariern und nicht Rotariern im Ausland. Sie sorgten für überörtliche Jugendveranstaltungen im Inland wie zum Beispiel internationale Jugendtreffs in Nachbarstädten. Sie gründeten und betreuten einen Rädchen-Club aus noch schulpflichtigen Töchtern und Söhnen von Clubmitgliedern in den 70er Jahren, der leider nach Jahre langer Existenz endete, weil der Nachwuchs ausblieb und die bisherigen Jugendlichen ihr Abitur machten und ihr Studium begannen.